Hausgemachter Glühwein vom Straußenhof – Rezept für warme Winterabende

· Sigrid Fischer

Wenn draußen die ersten Fröste kommen und die Abende früh dunkel werden, gibt es kaum etwas Schöneres als eine dampfende Tasse Glühwein. Nicht aus der Tüte, nicht aus dem Supermarktregal – sondern selbst gemacht, mit frischen Gewürzen und einem guten Wein als Basis. Genau so, wie wir ihn hier auf dem Hof seit Jahren zu unseren Hoffesten und in den Dezemberwochen anbieten.

Die Wahl des richtigen Weins

Das Wichtigste zuerst: Der Wein macht den Glühwein. Ein billiger Fuselwein wird auch mit den besten Gewürzen kein gutes Ergebnis liefern. Aber es muss auch kein teurer Tropfen sein.

Für einen klassischen roten Glühwein empfiehlt sich ein kräftiger, fruchtiger Rotwein – ein Dornfelder oder Spätburgunder aus der Region passt wunderbar. Wir sind hier im Saale-Unstrut-Gebiet gesegnet mit hervorragenden Weinen, die sich für diesen Zweck geradezu anbieten. Ein Wein, der nach Kirschen, Pflaumen und etwas Würze duftet, gibt dem Glühwein genau den richtigen Charakter.

Wer es lieber hell mag: Ein Weißwein-Glühwein aus einem trockenen Weißburgunder oder Silvaner ist milder, blumiger und hat durch die Zitrusaromen eine ganz eigene Eleganz.

Zutaten für vier bis sechs Tassen

  • 750 ml Rotwein (mittelschwer, fruchtig)
  • 1 Bioorange, aufgeschnitten
  • 1 Zitrone, ein paar Scheiben
  • 4–5 Zimtstangen
  • 8–10 Gewürznelken
  • 3–4 Sternanis
  • 4–5 Kardamomkapseln, leicht angedrückt
  • 2–3 EL Honig oder brauner Zucker (nach Geschmack)
  • Optional: ein Schuss dunkler Rum oder Amaretto

Die Mengen sind Richtwerte – Glühwein ist kein Backrezept, das auf die Gramm stimmen muss. Vertrauen Sie Ihrer Nase und Ihrer Zunge.

Die Zubereitung

Den Wein in einen Topf geben und bei niedriger bis mittlerer Hitze langsam erwärmen. Das ist der entscheidende Punkt: Der Wein darf niemals kochen. Sobald Alkohol zu verkochen beginnt, verliert der Glühwein seinen Charakter – er wird dünn, sauer und flach.

Die ideale Temperatur liegt bei etwa 70 bis 75 Grad. Ein Küchenthermometer hilft, aber mit etwas Übung erkennt man es daran, dass Dampf aufsteigt und erste kleine Bläschen am Rand erscheinen – mehr nicht.

Die Orangenscheiben, Zimtstangen, Nelken, Sternanis und Kardamom direkt in den Wein geben. Den Honig einrühren und den Glühwein nun mindestens 20 Minuten ziehen lassen – bei konstant niedriger Hitze, nicht kochend. Diese Ziehzeit ist entscheidend: Die Gewürze brauchen Zeit, um ihre ätherischen Öle an den Wein abzugeben.

Wer mag, gibt ganz am Schluss noch einen kleinen Schuss Rum dazu – das rundet den Geschmack ab und gibt etwas mehr Wärme.

Vor dem Servieren durch ein feines Sieb gießen, damit keine Gewürzrückstände in den Becher kommen.

Ein Tipp für Ungeduldige

Wenn Sie die Gewürze vorab kurz – wirklich nur dreißig Sekunden – in einer trockenen Pfanne anrösten, öffnen sich die Aromen schneller. Gerade Sternanis und Kardamom entwickeln dabei eine fast karamellige Tiefe. Nicht übertreiben, die Gewürze sollen nur warm werden, nicht braun.

Was den Hofladen-Glühwein besonders macht

Auf unserem Hoffest bereiten wir den Glühwein in großen Mengen zu – und das Geheimnis liegt schlicht darin, nichts zu überstürzen. Großer Topf, niedrige Hitze, gute Zutaten und Zeit. Kein Konzentrat, keine Fertigmischung.

Wer mag, kann dem Grundrezept auch eine persönliche Note geben: Ein Stück frischer Ingwer bringt Schärfe und Frische. Getrocknete Hibiskusblüten geben eine rubinrote Farbe und eine leichte Säure. Und wer es fruchtig mag, gibt ein kleines Glas selbst gemachte Johannisbeer- oder Holunderkonfitüre direkt in den Topf – das rundet den Wein auf eine sehr besondere Art ab.

Glühwein auf Vorrat – geht das?

Ja, und es lohnt sich sogar. Einen größeren Ansatz vorbereiten, nach dem Ziehen abseihen und abgekühlt im Kühlschrank aufbewahren – dort hält er sich problemlos drei bis vier Tage. Beim Aufwärmen gilt dasselbe wie immer: sanft erhitzen, nicht kochen.

So hat man an langen Dezemberabenden immer etwas Warmes zur Hand, ohne jedesmal neu anzusetzen.

Das Richtige dazu

Zu einem guten Glühwein passen gebrannte Mandeln, ein Stück Lebkuchen oder – ganz klassisch – ein würziger Käse. Wer ein herzhafteres Begleitgericht sucht, wird mit einer dünnen Scheibe Straußensalami überrascht sein: Das leicht nussige, aromatische Fleisch harmoniert erstaunlich gut mit den Gewürznoten des Weins.

Warmwerden lassen, in Ruhe trinken, den Abend genießen – mehr braucht es nicht.