Strauße auf dem Bauernhof – Faszinierende Exoten mitten in Sachsen-Anhalt
Wer zum ersten Mal um die Ecke biegt und plötzlich lange Hälse über den Zaun ragen sieht, traut seinen Augen kaum. Strauße in Sachsen-Anhalt – das klingt exotisch, ist aber auf dem Trebnitzer Beeren- und Straußenhof gelebte Realität. Sigrid Fischer hält die majestätischen Vögel seit Jahren mitten im Burgenlandkreis, und sie sind längst zu einem der ungewöhnlichsten Ausflugsziele der Region geworden.
Warum überhaupt Straußenzucht in Deutschland?
Der Strauß gilt als ursprüngliches Tier der afrikanischen Savanne – und trotzdem hat sich die Straußenzucht in Deutschland in den letzten Jahrzehnten einen festen Platz erarbeitet. Der Grund liegt vor allem in den besonderen Eigenschaften dieses Tieres: Straußenfleisch ist ausgesprochen mager, proteinreich und dabei dennoch aromatisch. Wer auf Schweinefleisch oder Rind verzichten möchte, ohne auf Genuss zu verzichten, entdeckt im Strauß eine echte Alternative.
Dazu kommen die robusten Eigenschaften der Tiere. Straußen vertragen gemäßigte Klimazonen besser als oft angenommen – sie sind wetterfest, anspruchslos in der Haltung und brauchen vor allem eines: Platz.
Leben auf dem Hof – Was Strauße brauchen
Auf dem Trebnitzer Hof haben die Strauße weitläufige Gehege, in denen sie sich frei bewegen können. Das ist kein Zufall, sondern Notwendigkeit: Straußen sind Lauftiere. In freier Wildbahn legen sie täglich viele Kilometer zurück, und auch in der Haltung brauchen sie Bewegung, um gesund zu bleiben. Ein Strauß, der zu wenig Auslauf hat, wird schnell nervös und entwickelt Verhaltensprobleme.
Die Ernährung der Tiere auf dem Hof besteht aus einer Mischung aus Gräsern, Kräutern und speziellem Körneranteil. Straußen sind Allesfresser mit einem starken Fokus auf pflanzliche Kost – sie zupfen Gras, picken Körner und verschlucken dabei gelegentlich kleine Steine, die ihnen bei der Verdauung helfen. Wer den Tieren beim Fressen zuschaut, merkt schnell: Strauße sind neugierig. Ein fremdes Geräusch, ein bunter Gegenstand, ein Kind am Zaun – das alles zieht ihre Aufmerksamkeit sofort auf sich.
Strauße und ihr Charakter
Das Bild des stoischen Straußes, der den Kopf in den Sand steckt, ist ein Mythos. In Wirklichkeit sind die Tiere wachsam, sozial und durchaus temperamentvoll. Hähne können in der Paarungszeit sehr territorial werden – das ist einer der Gründe, warum der Umgang mit Straußen Erfahrung erfordert. Hennen hingegen sind in der Regel ruhiger und zeigen oft mehr Interesse an menschlichen Besuchern.
Auf dem Trebnitzer Hof sind die Tiere an Menschen gewöhnt. Das macht Besuche möglich, die anderswo nicht denkbar wären: nah ran, beobachten, staunen.
Eine Attraktion für Familien und Schulklassen
Straußen sind für Kinder schlicht faszinierend. Schon die schiere Größe – ausgewachsene Tiere werden bis zu 2,50 Meter groß und wiegen über 100 Kilogramm – sorgt für offene Münder. Hinzu kommt das seltsam elegante Gangbild, die langen Wimpern, die leise Neugier der Tiere.
Schulklassen aus der Region kommen regelmäßig auf den Hof, um die Strauße aus nächster Nähe zu erleben. Für viele Kinder ist es das erste Mal, dass sie einem so außergewöhnlichen Tier begegnen – und das, ohne weit fahren zu müssen. Der Hof in Trebnitz bietet damit Naturpädagogik auf sehr bodenständige Art: kein Gehege im Zoo, sondern echter Kontakt mit einem echten Landwirtschaftsbetrieb.
Vom Tier zum Produkt – mit Respekt
Was viele nicht wissen: Aus der Straußenzucht entstehen eine Vielzahl von Produkten. Auf dem Hofladen am Trebnitzer Hof finden Besucher Straußenwurst, Salami und weitere verarbeitete Fleischprodukte. Die Verarbeitung erfolgt mit dem Anspruch, das Tier vollständig zu nutzen – ein Grundsatz, der gerade bei so besonderen Tieren besonderes Gewicht hat.
Straußenfleisch hat mit rund 1–2 % Fettgehalt deutlich weniger Fett als Rindfleisch, enthält aber ähnlich viel Eisen und Protein. Für alle, die bewusst essen wollen, lohnt sich die Auseinandersetzung damit – auch aus reiner Neugier.
Ein Hof, der Fragen beantwortet
Was Sigrid Fischer auf ihrem Hof in Trebnitz geschaffen hat, ist mehr als Landwirtschaft. Es ist ein Ort, an dem Menschen wieder in Berührung kommen mit dem, was sie essen – und woher es kommt. Wer wissen möchte, wie ein Strauß lebt, was er frisst und wie er gehalten wird, bekommt hier echte Antworten. Nicht aus dem Lehrbuch, sondern direkt am Zaun.
Der Burgenlandkreis bietet insgesamt eine bemerkenswerte Dichte an landwirtschaftlichen Besonderheiten und touristischen Anlaufpunkten – der Trebnitzer Hof ist davon eines der ungewöhnlichsten.